Erfolg setzt klare Prioritäten voraus
Die deutsche Außenpolitik charakterisiert sich nicht nur durch das was sie ist, sondern mehr noch durch das was sie nicht ist. Das Land braucht einen klaren Kompass. Um international erfolgreich und effektiv zu sein, muss es eine europäische Ankermacht werden, die als Machtbroker innerhalb einer dezentralisierten und intergouvernementalen EU die auswärtige Hand der EU dabei stärkt, globale Probleme zu adressieren.
Konrad Adenauer war überzeugt, dass der Westen ein starkes Deutschland nur als Teil eines starken und vereinigten Europas akzeptieren würde.
Konrad Adenauer war überzeugt, dass die Zukunft eines vereinigten Deutschlands in einem vereinigten Europa liegt. Seine folgerichtige Argumentation war, dass der Westen ein starkes Deutschland nur als Teil eines starken und vereinigten Europas akzeptieren würde. Aufgrund dieser Vision nahm er die für Deutschland anfangs unvorteilhafte Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl in Kauf und unterstützte später den EWG-Vertrag. Er machte das Bekenntnis zur europäischen Integration zum Prüfstein für die deutsche Innen- und Außenpolitik und räumte somit auf mit der Vorkriegsvorstellung eines deutschen Sonderweges zwischen West und Ost.
Helmut Kohl verfolgte 1991 das Ziel der deutschen Wiedervereinigung unter denselben Rahmenbedingungen und nach denselben Grundsätzen. Um die immer noch sehr präsenten Befürchtungen hinsichtlich einer deutschen Wiedervereinigung zu zerstreuen, war er darauf bedacht, dass ein wiedervereinigtes Deutschland mit einer vertieften und erweiterten Europäischen Union einherging. Der Europäische Binnenmarkt wurde 1992 verwirklicht, ein Jahr nach der Wiedervereinigung, und der Vertrag von Maastricht mit dem Ziel der Einführung des Euro wurde 1992 unterzeichnet und trat 1993 in Kraft. Eine stilisierte Darstellung dieser Zeit könnte mit folgender Aussage der Ostdeutschen nach dem Mauerfall beginnen: „Wenn ihr uns die D-Mark nicht geben wollt, kommen wir eben zu ihr“, wodurch verdeutlicht wird, dass die Bundesrepublik entweder die Kosten für die Erhöhung des Lebensstandards durch die Wiedervereinigung würde tragen oder mit einer Masseneinwanderung aus Ostdeutschland würde rechnen müssen. Jedoch führte dieser Prozess für Deutschland und Europa letztlich zur vollständigen Abschaffung der D-Mark und zur Einführung des Euro.
Übersicht zu diesem Artikel
1
Deutschland als Mittlermacht im Zentrum Europas
2
Berlins Politik fehlt ein klarer Kurs
4
Koalitionen schmieden und anführen
5
Eine bessere Zukunft für die EU