Die bisherige Entwicklungshilfe ist überholt
Die Zeiten westlicher Vorherrschaft sind Vergangenheit. Deutschland, Afrika und andere globale Akteure müssen nun gemeinsame Vorstellungen von Wohlstand und Stabilität erarbeiten. Dabei verbietet Respekt vor afrikanischen Traditionen alle weiteren Versuche, den Afrikanern westliche Verfassungskonzepte
aufzwingen zu wollen. Das gängige Entwicklungsmodell, das afrikanische Regierungen zu korrupten Räubern macht, ist nicht länger haltbar.
Die Wechselbeziehung zwischen Afrika auf der einen und Deutschland und dem Westen auf der anderen Seite schuf einen in sich widersprüchlichen Kontinent, der an Boden-schätzen reich, aber von Menschen bevölkert ist, die in Armut und Überschuldung versinken.
Über ein Jahrhundert lang hat sich Deutschland dafür stark gemacht, dass die Afrikaner sich das westliche Weltbild zueigen machen sollten. Wenn die deutsche Außenpolitik sich einer kritischen Bestandsaufnahme unterziehen will, muss diese Strategie überdacht werden. Das 21. Jahrhundert hat eine multipolare Welt hervorgebracht, in der das Streben nach Sicherheit und Wohlstand allen gemeinsam ist.
Für deutsche Einflussnahme auf Afrika steht beispielhaft Bismarcks Berliner Konferenz, auf der in den 1880er-Jahren die Aufteilung des Kontinents beschlossen wurde. Sie zementierte in Afrika eine Situation, die Professor Ali Mazrui als "Erbe des westfälischen Friedens" bezeichnet hat, das "Käfige des Nationalstaats" und ein "Gefängnis des kapitalistischen Systems" geschaffen habe.
Die 54 Nationalstaaten Afrikas werden weiterhin durch vom Westen dominierte Strukturen aneinander gefesselt, die nicht nur die "Käfige" erhalten, sondern auch eine Verbraucherkultur fördern, die afrikanische Waren gering schätzt und eine wertschöpfende Güterproduktion auf dem Kontinent abwürgt.
Die Wechselbeziehung zwischen Afrika auf der einen und Deutschland und dem Westen auf der anderen Seite schuf einen in sich widersprüchlichen Kontinent, der an Bodenschätzen reich, aber von Menschen bevölkert ist, die in Armut und Überschuldung versinken. Die internationalen Mächte wetteiferten um die Bodenschätze Afrikas und degradierten zugleich die Afrikaner zu unfreiwilligen Zuschauern.
Der Kontinent verfügt über 30 Prozent der Mineralreserven der Erde, darunter 40 Prozent des globalen Aufkommens an Gold, 60 Prozent an Kobalt, 40 Prozent an Wasserkraft und 90 Prozent an Platin. Hier befinden sich über 9,7 Prozent der nachgewiesenen Ölreserven der Welt, 7,8 Prozent der gesamten Erdgasvorkommen, 6 Prozent der nachgewiesenen Kohlevorkommen und 60 Prozent der ungenutzten Ackerflächen.
Übersicht zu diesem Artikel
1
Das neue Afrika fordert eine neue deutsche Politik
2
Globale Umverteilung der Macht
3
Was Deutschland ändern muss
4
Afrikas Einfluss wächst
5
Für eine andere Entwicklungspolitik