Afrika auf dem Weg zur geopolitischen Macht
Deutsche Außenpolitik, insbesondere in der Afrikapolitik, sollte immer die Wechselwirkung zwischen ihrer Europa- und globalen Politik im Auge behalten. Und sie wird beantworten müssen, wie sie eine verbindliche multilaterale Weltordnung voran bringt, die die menschliche Sicherheit und eine gerechtere Weltordnungspolitik und weniger die eng definierte Souveränität und Sicherheit des Staates in den Vordergrund stellt.
Deutschland hat sich immer für die multilaterale Zusammenarbeit ausgesprochen. Dennoch wird auch in der internationalen Politik in jüngster Zeit immer mehr die Frage offen gelassen, welche Priorität noch Werte und Normen in der Außenpolitik einnehmen.
Im Herzen der Europäischen Union spielt Deutschland eine zentrale Rolle, regionale und globale Kollektivgüter, eine dynamische Demokratie und eine starke Wirtschaft bereit zu stellen. Gleichzeitig ist die deutsche Geschichte in Europa immer präsent.
Im benachbarten Afrika ist Deutschland weniger historisch belastet als andere große europäische Staaten, die auf eine längere Geschichte des Kolonialismus und der damit verbundenen zuweilen noch andauernden negativen Konsequenzen zurückblicken müssen.
Deutschlands Kolonialpräsenz war kurz, und es hat sich bei Namibia für das Massaker an den Hereros Anfang des 20. Jahrhunderts offiziell entschuldigt. Von allen europäischen Großmächten in Afrika gilt Deutschland wahrscheinlich als eine Macht, die als konstruktiv gilt und die afrikanischen Initiativen am meisten unterstützt.
Das zweite Element, bei dem eine Bestandsaufnahme der deutschen Außenpolitik zum Tragen kommt, ist die internationale Ebene. Dieser globale Kontext ist im frühen 21. Jahrhundert durch eine Reihe von sich gegensätzlich wirkenden Kräften gekennzeichnet: Souveränität gegenüber Internationalismus, eine nach westlichem Vorbild errichtete gegenüber einer neuen, noch festzulegenden Weltordnung, sozio-ökonomische Ungleichheit gegenüber sozialer Gleichbehandlung und Gerechtigkeit, eine von der Globalisierung hervorgebrachte Konsum-Homogenität gegenüber einer gesellschaftlichen Heterogenität und eine vom übermäßigen Verbrauch angetriebene gegenüber einer nachhaltigen Entwicklung.
Deutschland hat sich immer für die multilaterale Zusammenarbeit ausgesprochen. Dennoch wird auch in der internationalen Politik in jüngster Zeit immer mehr die Frage offen gelassen, welche Priorität noch Werte und Normen in der Außenpolitik einnehmen. Es wird zunehmend der Eindruck erweckt, dass das Ringen um Kontrolle über geopolitische Räume seitens der selbstbewusst auftretenden Regionalmächte und die Wiedererrichtung einer von nationalen Interessen gelenkten Hard Power in Europa eine neue Renaissance erfährt.
Übersicht zu diesem Artikel
1
Deutsche Afrikapolitik ist uneindeutig
2
An der alten Erfolgsbilanz Europas anknüpfen!
3
Die Weltbürgerschaft und die neue Weltordnung
4
Das aufstrebende Afrika: ein Märchen?
5
Deutschlands Afrikapolitik ist vieldeutig