Ein winziger Teich namens Mittelmeer trennt Europa von Nordafrika, umso verwunderlicher ist es, dass die Jahrzehnte europäischer Entwicklungshilfe in Nordafrika nur fragile oder gescheiterte Staaten hervorgebracht haben.
Europa muss in seinen Beziehungen zu Nordafrika ein neues Kapitel aufschlagen. Europa hat es in der Vergangenheit versäumt, diese Region zu modernisieren oder auch nur ansatzweise zu stabilisieren. Ein winziger Teich namens Mittelmeer trennt Europa von Nordafrika, umso verwunderlicher ist es, dass die Jahrzehnte europäischer Entwicklungshilfe in Nordafrika nur fragile oder gescheiterte Staaten hervorgebracht haben.
Bis vor 20 Jahren schien Südostasien hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Entwicklung noch aussichtsloser zu sein als Nordafrika. Heute jedoch ist die ASEAN ein aufgehender Stern, während sich Nordafrika im politischen und ökonomischen Niedergang befindet. Was ist in Nordafrika falsch gelaufen? Und was hat die ASEAN richtig gemacht?
Indonesien ist der bevölkerungsreichste islamische Staat, steht aber in seiner wirtschaftlichen Entwicklung und der demokratischen Stabilität vorbildlich dar. Verzweifelt blicken die meisten Europäer insgesamt auf die islamische Welt. Kann Südostasien und die positive Entwicklung Indonesiens Europa Hoffnung geben, dass die europäisch-islamischen Beziehungen nicht gleich zum Scheitern verurteilt sind?
Die größte demografische Herausforderung schließlich, die auf Europa zukommt, geht von Afrika aus, insbesondere dem subsaharischen Afrika. Das Bevölkerungsniveau in Europa wird bis 2050 bei ca. 500 bis 700 Millionen Menschen liegen. Im Vergleich dazu wird die Gesamtbevölkerung Afrikas explosionsartig von 230 Millionen auf 2,4 Milliarden ansteigen. Die wachsende Zahl von Afrikanern, die seit 2000 über das Mittelmeer Europa erreichen, ist nur ein Vorbote für die immensen Migrantenströme, die noch zu erwarten sind.
Das strategische Dilemma, in dem sich Europa gegenüber Afrika befindet, lässt sich in einen Satz zusammenfassen: Wenn Europa keine Arbeitsplätze nach Afrika exportiert, wird der südliche Kontinent Afrikaner nach Europa exportieren. Noch vor 20 Jahren herrschte allgemeine Verzweiflung hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung Afrikas. Der Economist stellt aber heraus, dass sieben der zwölf am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften im Jahre 2014 aus Afrika kommen. Es besteht also durchaus Hoffnung, dass afrikanische Volkswirtschaften auch erfolgreich sein können. Die europäischen Entscheidungsträger müssen sich hier selbstkritisch hinterfragen, ob die wenigen afrikanischen Volkswirtschaften gerade wegen der europäischen Hilfe oder aber aufgrund ihrer Vernachlässigung wirtschaftlich Erfolg haben konnten.
Ich möchte meine Überlegungen mit einem optimistischen Ausblick abschließen: Allen Umfragen zufolge blickt die Bevölkerung in den meisten Ländern Europas düster in die Zukunft. Asien und Afrika hingegen (und wahrscheinlich auch Lateinamerika) sehen der Zukunft überwiegend mit großem Optimismus entgegen. Jahrhundertelang galt der europäische Kontinent als einer der erfolgreichsten Kontinente auf unserem Planeten und Deutschland als erfolgreichste Volkswirtschaft.
Wenn Europa es unter der Führung Deutschlands versteht, die Welt für sich auf intelligentere Weise zu mobilisieren, erst dann wird der Optimismus der übrigen Welt in den Adern Europas fließen können. Und die Welt wird in den Augen der Europäer heller aussehen.
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