Die Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und tatsächlicher Ausrichtung verhindert eine nachhaltige Unterstützung (oder auch Kritik) deutscher Interessenverfolgung durch die Öffentlichkeit.
Aus dieser Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und tatsächlicher Ausrichtung erwächst die demokratische Vulnerabilität der deutschen Außenpolitik, denn diese Diskrepanz ist immer wieder skandalisierbar, und zwar keineswegs nur durch die, denen die Werte wichtiger sind als die Interessen, sondern auch durch alle, die andere, womöglich konträre Interessen haben und die das, was ihnen im Weg steht, unter dem Deckmantel der Wertorientierung delegitimieren.
Die Folge ist, dass sich die demokratische zur strategischen Vulnerabilität auswächst. Die Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und tatsächlicher Ausrichtung verhindert nicht nur eine nachhaltige Unterstützung (oder auch Kritik) deutscher Interessenverfolgung durch die Öffentlichkeit des eigenen Landes, sondern eröffnet interessierten Dritten auch die Chance, diese Diskrepanz für die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen zu nutzen.
Es muss also im längerfristigen Interesse der deutschen Politik liegen, diese Diskrepanz zu beseitigen und so die demokratische Vulnerabilität zu schließen. Das freilich ist nicht so leicht, denn diese Diskrepanz resultiert keineswegs nur daraus, dass offizielle Stellen ein anderes Bild zeichnen, als es der tatsächlich betriebenen Politik entspricht.
Die Vorstellung von einer interessenentkoppelten Wertbindung der deutschen Außenpolitik ist vielmehr ein festgefügtes Bild in der öffentlichen Kommunikation, an dem politischer Kommentatoren, das Feuilleton, erhebliche Teile der Wissenschaft und nicht zuletzt Nichtregierungsorganisationen mitgewirkt haben.
Ein solches Bild lässt sich nicht durch eine veränderte Öffentlichkeitsarbeit des Auswärtigen Amts revidieren, sondern muss langsam und schrittweise verändert werden. Diese Veränderung ist langwierig und mühsam, aber unabdingbar, um die strategische Vulnerabilität der deutschen Außenpolitik zu vermindern. Die Verminderung dieser Vulnerabilität liegt nicht nur im deutschen, sondern vor allem auch im wohlverstandenen europäischen Interesse.
Das soll nachfolgend an drei Punkten erläutert werden: den spezifischen Interessen Deutschlands als "Handelsstaat" bzw. Exportnation, den Implikationen der geopoliti-schen "Mittellage" Deutschlands in Europa und dem verstärkten Erfordernis einer sicherheitspolitischen Aufmerksamkeit für die europäische Peripherie.
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