Der deutschen Außenpolitik ist immer auch die Aufgabe zugefallen, als "Türöffner" deutscher Industrieprodukte zu wirken.
Das politische Selbstwertgefühl der alten Bundesrepublik wie des wiedervereinigten Deutschland gründet sich im Wesentlichen auf wirtschaftliche Erfolge: einen kontinuierlich steigenden Lebensstandard, die Rückgewinnung bzw. Neueroberung von Exportmärkten für Industrieprodukte und die weltweite Reputation deutscher Wertarbeit. Neben den unmittelbaren Stabilitätseffekten wirtschaftlicher Prosperität hat dies auch zur politischen Stabilität des Landes in Form seiner "Selbstanerkennung" beigetragen.
Im Gefolge dessen ist der deutschen Außenpolitik immer auch die Aufgabe zugefallen, an den Rahmenbedingungen dieser wirtschaftlichen Exporterfolge mitzuarbeiten und als "Türöffner" deutscher Industrieprodukte zu wirken. Umgekehrt ist aber auch das Interesse an deutschen Produkten (darunter Rüstungsgütern) der deutschen Außenpolitik zugute gekommen.
Diese Verbindung ist jedoch stets als ein wenig peinlich angesehen und darum selten offensiv kommuniziert worden. Dabei würde dies durchaus naheliegen, seitdem politische Macht sehr viel mehr durch wirtschaftliche als durch militärische Fähigkeiten konstituiert wird. Es ist angezeigt, hier von einer verschämten zu einer selbstbewussten Kommunikation der wirtschaftlichen Interessen Deutschlands überzugehen, ohne dass dies die nach wie vor geltenden Wertbindungen der deutschen Außenpolitik in Frage stellen soll.
Es sollte aber erkennbar werden, dass beide, Werte und Interessen, miteinander in Konkurrenz stehen können und dass die jeweilige Präferenz das Ergebnis eines Abwägungsprozesses ist, bei dem die mittel- und langfristigen Effekte der Entscheidung eine wichtige Rolle spielen. Zugleich ist dies ein Beitrag zur Minderung der demokratischen Vulnerabilität deutscher Außenpolitik.
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