Online-Präsenz als fester Bestandteil einer Kommunikationsstrategie
Klassische diplomatische Kommunikation ist in keiner Weise obsolet. Auch in Zukunft ist der persönliche und unmittelbare Kontakt in den jeweiligen Gastländern wichtig. Allerdings benötigen deutsche Auslandsvertretungen angesichts der steigenden Bedeutung sozialer Medien eine ergänzende Online-Strategie, um sowohl ihren Kommunikations- als auch ihren Service-Auftrag besser zu erfüllen. Ein Beitrag von Karl Jurka.
Der Digitalisierung der Kommunikation sollte sehr hohe Priorität eingeräumt werden, die online-Vermittlung darf kein verwaistes Nebenprodukt der Public Diplomacy als Beschäftigungstherapie für die jüngsten Mitarbeiter der Botschaft darstellen.
Diplomatinnen und Diplomaten mögen, angesichts des gesteigerten Arbeitsaufwands, den sozialen Medien teilweise skeptisch gegenüber stehen. Fakt ist allerdings, dass der Wandel der Kommunikation bereits stattgefunden hat, und es keine Frage mehr ist, ob man digital kommuniziert, sondern nur mehr, wie man es tut!
Wichtig ist und bleibt die klassische Public Diplomacy und die direkte und unmittelbare Kommunikation mit einflussreichen "Stakeholdern" des Gastlandes. Zusätzlich ist es erforderlich, einer größeren Anzahl von Menschen eine Plattform zu bieten, um auf einfachem Wege mit deutschen Botschaften in Kontakt zu treten und auf diesem Wege rasch Informationen und Antworten zu erhalten.
Dieser duale Weg bringt die Chance, den klassischen Kommunikationsstil nicht zu verlieren, ihn aber mit modernen digitalen Komponenten zu ergänzen und so einen sicheren (Kommunikations-)Weg in die Zukunft zu beschreiten.
Twitter, Facebook, WhatsApp und Co. dominieren einen beträchtlichen Teil unserer sozialen Interaktionen. Die neuen Medien bringen zahlreiche Vorteile, allerdings gibt es durchaus auch skeptische Betrachtungsweisen. Wie lässt sich Public Diplomacy im Zeitalter der Digitalisierung sinnvoll einsetzen?
Die klassische Public Diplomacy sollte trotz des rapiden Bedeutungsgewinns der sozialen Medien und online-Kommunikation nicht in ihren Grundfesten erschüttert und umgestaltet werden. Vielmehr ist es essentiell, die bewährten und gewachsenen Konzepte und Strukturen der diplomatischen Kommunikation in neue Gewänder zu hüllen und dadurch zu modernisieren und zeitgemäß umzustrukturieren.
Klassische diplomatische Kommunikation ist in keiner Weise obsolet; oder soll ausschließlich durch soziale Medien ersetzt werden. Im Gegenteil, die persönliche Interaktion gilt, gerade in den gegenwärtigen Zeiten der einfach zugänglichen online-Kommunikation, als Zeichen der Wertschätzung und sollte gewahrt werden.
Was ist die Aufgabe und der Mehrwert der sozialen Medien für die Diplomatie?
Die online-Präsenz und Kontaktaufnahme stellt einen zusätzlichen Wirkungs- und Arbeitsbereich für die deutschen Vertreterinnen und Vertreter im Ausland dar und sollte einen fixen Bestandteil jeglicher Public Diplomacy bilden. Da sich Auslandsvertretungen immer mehr in Richtung Serviceeinrichtungen entwickeln und orientieren, sollte jede Vertretung anstreben, eine online-Präsenz aufzuweisen, sei es in Form einer Homepage, eines Facebook-Auftritts, einer Twitter-Präsenz, eines Instagram-Acounts oder in einer anderen Form. Dies bedeutet naturgemäß eine zusätzliche Arbeitsbelastung für die Botschaften, allerdings kann die Verwendung digitaler Kommunikation - effizient eingesetzt - auch eine Erleichterung bilden.
Da Botschaften von Bürgerinnen und Bürgern und Medienvertretern immer mehr als Serviceeinrichtungen wahrgenommen werden, werden die Anforderungen an die Botschaften immer mehr und größer. Ein gut strukturierter und inhaltlich intelligent aufgebauter Internetauftritt schafft es bereits im Vorfeld die Zuständigkeiten abzuklären und viele gewünschte Informationen online bereit zu stellen, sodass eine direkte Kontaktaufnahme sich auf das Wesentliche beschränken kann.
Das Bild der Bevölkerung von der Botschaft als Serviceeinrichtung fordert auch eine offensivere Kommunikationsstrategie. War Public Diplomacy früher sehr zielgruppenorientiert und auf individuelle und hochrangige Gesprächsrunden fokussiert, ist der Anspruch an die Botschaft nun eine breite Kommunikation. Hier hilft die Digitalisierung der Kommunikation beträchtlich, denn über das Internet ist es möglich, eine weitaus größere Anzahl von Anliegen zu bedienen als dies mit den vorhandenen Ressourcen im direkten Kontakt möglich wäre.
Doch die Digitalisierung schafft auch neue "Kommunikations-Fallen". Die Interaktion in den sozialen Medien ist um ein Vielfaches schneller als auf klassischem Wege, und die modernen "User" erwarten innerhalb sehr kurzer Zeitspannen Antworten auf ihre Fragen, eine lange Nicht-Beantwortung kann sehr schnell zu Unzufriedenheit führen.
Der Digitalisierung der Kommunikation sollte deshalb sehr hohe Priorität eingeräumt werden, die online-Vermittlung muss ernst genommen werden und darf kein verwaistes Nebenprodukt der Public Diplomacy als Beschäftigungstherapie für die jüngsten Mitarbeiter der Botschaft darstellen.