Die eskalierenden Zollandrohungen von Präsident Donald Trump verändern die wirtschaftlichen Aussichten der Eurozone, was sich in der deutlichen Herabstufung der Prognosen durch die Europäische Union und den anschließenden Turbulenzen an den Märkten widerspiegelt.
Am Montag senkte die EU ihre Wachstumsprognose für 2025 von 1,3 auf 0,9 Prozent und begründete den Rückgang mit sich verschlechternden globalen Handelsbedingungen und zunehmender Unsicherheit über die Handelspolitik.
Die Ankündigung fiel zusammen mit Trumps Drohung, ab 1. Juni einen Zoll von 50 Prozent auf alle EU-Importe zu erheben; sie löste einen breiten Ausverkauf an den europäischen Aktienmärkten aus.
Deutschland, größte Volkswirtschaft Europas, steht vor besonders düsteren Aussichten: Für 2025 wird nur noch ein Nullwachstum erwartet – deutlich weniger als die 0,7 Prozent, die noch im vergangenen Jahr prognostiziert wurden.
„Die Risiken für den Ausblick sind weiterhin nach unten gerichtet, daher muss die EU entschlossen handeln, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, erklärte Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis.
Zölle erschüttern die Eurozonen-Konjunktur
Der Euro Stoxx 50 gab um 3 Prozent nach, der deutsche DAX verlor 2,3 Prozent – ein Spiegel der Sorgen der Anleger vor einem wachsenden Risiko eines transatlantischen Handelskriegs.
Das Protokoll der EZB-Sitzung Mitte April weist auf eine gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Rezession sowohl in der Eurozone als auch in den USA hin und macht dafür die eskalierenden Zollstreitigkeiten verantwortlich.
Spanien hat zwar nur begrenzte direkte Handelsbeziehungen mit den USA, bleibt jedoch anfällig, weil seine Industrie eng mit den großen EU-Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich verflochten ist.
„Das Volumen des spanischen Außenhandels mit den Vereinigten Staaten – gemessen als Summe aus Importen und Exporten in Relation zum BIP – liegt bei etwas über 4 Prozent des BIP. In Deutschland sind es mehr als 7 Prozent, in Italien über 5 Prozent; beides Länder, die zudem einen deutlichen Handelsüberschuss mit den USA erzielen, insbesondere beim Warenhandel“, erklärte José Luis Escrivá, Gouverneur der Bank von Spanien.
Weltweites Wachstum in Gefahr
Analysten warnen, ein 50-prozentiger Zoll könnte die Eurozone in eine Rezession stürzen und das weltweite Wachstum bremsen; einige schätzen, dass das US-Wirtschaftswachstum um bis zu 1,5 Prozentpunkte zurückgehen könnte.
Angesichts dieser Unsicherheiten muss die Eurozone komplizierte Verhandlungen und mögliche Gegenmaßnahmen steuern – ein weiterer Beleg für die fragilen globalen Handelsbeziehungen.

